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Das Büro silands Landschaftsarchitektur wurde 2015 von Stephanie Gresz und Roberto Kaiser in Ulm gegründet. silands beschäftigt sich mit der Gestaltung öffentlicher und privater Freiräume unter besonderer Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte. Nicht selten wird dabei – wie beispielsweise am Südufer des Blautopfs – der Geschichte des jeweiligen Ortes nachgespürt und diese in der Neugestaltung des Ortes wieder erlebbar gemacht.
Interview zum Entwurf für den neuen Blautopf vom 16.12.2021
Im Mai 2021 wurden die besten Entwürfe aus einem europaweiten Ideen- und Realisierungswettbewerb für eine künftige Gestaltung der Innenstadt und des Blautopfs prämiert. Wir haben mit den beiden Gewinnern des Wettbewerbs über die Besonderheiten des Areals, den momentanen Planungsstand und ihre persönliche Beziehung zum Blautopf gesprochen.
Guten Tag, möchten Sie sich einmal kurz vorstellen?
Kaiser: Mein Name ist Roberto Kaiser und ich bin Partner im Landschaftsarchitekturbüro silands in Ulm. Wir beschäftigen uns mit der Gestaltung von öffentlichen Freiräumen, was eine sehr spannende Angelegenheit ist. Denn mit dem Gestalten von Freiräumen entwirft man sozusagen deren Zukunft und ist im Idealfall auch Teil eines gesellschaftlichen Wandels, welchem in Freiräumen baulich Ausdruck verliehen wird.
Kopp: Mein Name ist Philipp Kopp und ich bin Partner im Ulmer Büro „stemshorn kopp“. Wir beschäftigen uns mit der baulichen Entwicklung von Städten: Mit dem Städtebau auf der einen Seite und mit der Architektur auf der anderen. Genau diese maßstabsübergreifende Betrachtung ist in Blaubeuren spannend und wichtig: Denn die Aufgabe ist auch hier, das erfolgreiche Zusammenspiel aus Freiraum, Städtebau, Architektur und Verkehr zu planen.
Weshalb wollten Sie Teil des Projektes Blautopf sein? Was macht den Reiz an diesem Projekt aus?
Kopp: Als Ulmer ist der Blautopf für mich schon seit Kindertagen ein sehr besonderer und romantischer Ort und bis heute ein Ort, den ich gerne besuche und der auf mich eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlt. Doch mit fachplanerischen Augen betrachtet, erkenne ich zunehmend, dass es Entwicklungen gibt, die das Umfeld des Blautopfs ein wenig verschlafen hat und wo es Nachholbedarf gibt. Deshalb ist es natürlich besonders schön, einen Ort, zu dem man auch persönlich einen Bezug hat, weiterentwickeln zu dürfen.
Kaiser: Das Spannende am Blautopf ist für mich das Zusammentreffen von Stadtraum und Naturraum. Das macht diesen Ort so besonders. Was uns an der Aufgabenstellung aber auch sehr gereizt hat, ist dass sich das Wettbewerbsareal nicht rein auf den Blautopf beschränkt, sondern eigentlich die gesamte Innenstadt Blaubeurens in den Fokus nimmt. Es spielen also viele Aspekte mit rein, welche über den touristischen Aspekt des Blautopf hinausgehen, beispielsweise die Verflechtung der Verkehrsströme oder die Naherholung der Bevölkerung.
Was ist das Besondere an Ihrem Entwurf?
Kopp: Der Blautopf ist ein Ort von zentraler Bedeutung in Blaubeuren, aber wir haben uns bei unserem Entwurf sehr bewusst nicht nur darauf fokussiert. Uns ging es vielmehr darum, das Strukturnetzwerk Blaubeuren zu verstehen. Also beispielweise: Wo kommen die Bewohner und Besucher her? Wo wollen sie hin? Es war uns wichtig, die Struktur der Stadt Blaubeuren zu verstehen, um dann in einem zweiten Schritt schauen zu können: Wo gibt es Lücken? Wo greifen beispielsweise Wegebeziehungen nicht ineinander? Wo fehlt vielleicht eine Brücke? Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Entwurfs ist außerdem die Frage, wie man den Blautopf möglichst reibungslos und entspannt auch größeren Besucherzahlen zugänglich machen kann. Beispielsweise durch die Aufweitung des Freiraums vor der Hammerschmiede. Ich denke, unseren Entwurf zeichnet ein ganzheitlicher Ansatz aus: Uns geht es erstmal nicht nur um die Gestaltung, sondern eben auch darum dafür Sorge zu tragen, dass Blaubeuren auch weiterhin funktioniert – insbesondere im Zusammenspiel zwischen Innenstadt und Blautopf-Areal.
Was waren denn besondere Herausforderungen bei der Entwurfsgestaltung?
Kopp: Das Aufeinandertreffen von Stadtraum und Naturraum ist ein ganz wichtiger Aspekt. Außerdem wollen wir den besonderen natürlichen Charakter des Blautopfs nicht zerstören oder verändern. Die Herausforderung besteht also darin, diesen Ort weiterzuentwickeln, ohne aber dieses Verwunschene und Märchenhafte zu nehmen. So wollen wir beispielsweise keine großen und breiten Wegebeziehungen um den Blautopf führen oder mit Beton, oder sonstigen eher städtischen Materialien, Urbanität erzeugen. Zudem gibt es viel historische Bausubstanz im Umfeld des Blautopfs, die einerseits unheimlich schützenswert ist, sich andererseits aber auch einem gewissen Entwicklungsdruck auf Grund von entsprechenden Nutzungsbedürfnissen nicht entziehen kann. Hier müssen zukunftsfähige Kompromisse gefunden werden.
Kaiser: Eine weitere wesentliche Herausforderung ist der Nutzungskonflikt zwischen Tagestouristen und den Blaubeurer Bürgerinnen und Bürgern: Es kommen einerseits extrem viele Tagestouristen, die einen unheimlichen Nutzungsdruck erzeugen. Gleichzeitig haben wir aber den Anspruch, dass der Blautopf nicht zu einem reinen Touristen-Ort wird. Der Raum soll zunächst den Blaubeurer Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stehen und von ihnen genutzt werden: Es ist deren Blautopf und diesem Anspruch wollen wir auch mit der Gestaltung gerecht werden.
Was sind denn die nächsten Schritte? Wie geht’s weiter?
Kaiser: Hier muss man ein wenig differenzieren: Wir haben einerseits den Blautopf, wo wir in den letzten Wochen ganz konkret in die Planung eingestiegen sind. Es geht dort also aktuell darum, den Entwurf im Detail auszuformulieren und mit den bereits beschriebenen Zwängen und Herausforderungen in Einklang zu bringen. In Bezug auf den Bereich östlich der Altstadt – also Stadtpark, Graben, Blau-Ufer – muss zunächst noch das Themenfeld Verkehr und Parken in verschiedenen Varianten untersucht werden. Das ist die Voraussetzung für weitere Überlegungen bezüglich der Gestaltung, wie beispielweise eine mögliche Freilegung des Schützenbachs oder die Renaturierung des Blauufers.